Large Language Models (LLMs) und Retrieval Augmented Generation (RAG) gehören zu den wichtigsten Konzepten moderner KI-Systeme. Während LLMs für Sprachverständnis und Textgenerierung verantwortlich sind, sorgt RAG dafür, dass diese Modelle auf aktuelles, relevantes und unternehmensspezifisches Wissen zugreifen können.
In diesem Artikel erfährst du:
- den Unterschied zwischen LLM und RAG
- warum LLMs allein oft nicht ausreichen
- wie LLM und RAG zusammenspielen
- wann welche Architektur sinnvoll ist
Was ist ein Large Language Model (LLM)?
Ein Large Language Model (LLM) ist ein neuronales KI-Modell, das mit sehr großen Textmengen trainiert wurde, um natürliche Sprache zu verstehen und zu erzeugen. Bekannte Vertreter sind GPT, Claude, Gemini oder LLaMA.
Eigenschaften eines LLMs
Ein LLM kann:
- natürliche Sprache verstehen und generieren
- Fragen beantworten
- Texte zusammenfassen
- Code erzeugen
- Dialoge führen
Das Modell lernt dabei statistische Zusammenhänge zwischen Wörtern und Bedeutungen.
Zentrale Einschränkung von LLMs
Ein LLM:
- besitzt statisches Wissen
- kennt nur Daten bis zum Trainingszeitpunkt
- hat keinen direkten Zugriff auf interne Dokumente
- kann Halluzinationen erzeugen (plausible, aber falsche Antworten)
➡️ Für produktive Anwendungen ist das ein wesentliches Risiko.
Was ist Retrieval Augmented Generation (RAG)?
Retrieval Augmented Generation (RAG) ist keine eigene KI, sondern eine Architektur, die ein LLM mit externen Wissensquellen kombiniert.
Kurz gesagt:
RAG erweitert ein LLM um ein dynamisches Gedächtnis.
Typische Datenquellen für RAG
- PDFs und technische Dokumentationen
- Wikis und Knowledge Bases
- Ticketsysteme
- Datenbanken
- API-basierte Daten
Diese Inhalte werden häufig in Vektordatenbanken gespeichert, um sie semantisch durchsuchen zu können.
Wie funktioniert RAG technisch?
Der vereinfachte Ablauf von RAG:
- Dokumente werden in kleinere Textabschnitte zerlegt
- Jeder Abschnitt wird in einen Vektor (Embedding) umgewandelt
- Die Nutzerfrage wird ebenfalls eingebettet
- Eine semantische Suche findet passende Inhalte
- Das LLM erzeugt eine Antwort auf Basis des gefundenen Kontexts
➡️ Das LLM generiert den Text, RAG liefert die Fakten.
Unterschied zwischen LLM und RAG
| Merkmal | LLM | RAG |
|---|---|---|
| Typ | KI-Modell | Architektur |
| Wissensbasis | Trainingsdaten | Externe Dokumente |
| Aktualität | Begrenzt | Beliebig aktuell |
| Quellenangaben | ❌ | ✅ |
| Halluzinationsrisiko | Hoch | Stark reduziert |
| Unternehmenswissen | ❌ | ✅ |
Merksatz:
👉 LLMs denken – RAG weiß.
Warum LLMs ohne RAG problematisch sind
In Unternehmen werden häufig Fragen gestellt wie:
- „Was steht in unserer aktuellen Richtlinie?“
- „Wie lautet der genehmigte Prozess?“
- „Welche SLA gilt für diesen Kunden?“
Ein reines LLM:
- kennt diese Informationen nicht
- versucht, sie aus Wahrscheinlichkeiten abzuleiten
- produziert im Zweifel falsche Antworten
➡️ RAG verhindert genau diese Unsicherheit, indem es reale Dokumente als Grundlage nutzt.
Zusammenspiel von LLM und RAG
In einer modernen KI-Architektur übernehmen beide Komponenten klar getrennte Rollen:
- LLM:
- Sprachverständnis
- logisches Ableiten
- natürliche Antwortformulierung
- RAG:
- Wissenssuche
- Kontextbereitstellung
- Aktualität und Faktenbasis
Praxisbeispiel
Ohne RAG:
„In der Regel könnte das so gehandhabt werden …“
Mit RAG:
„Laut Dokument IT-Richtlinie 2024, Abschnitt 5.2 gilt folgende Regelung …“
Vorteile von LLM + RAG
- ✅ Aktuelle Informationen ohne erneutes Training
- ✅ Reduzierte Halluzinationen
- ✅ Antworten mit nachvollziehbaren Quellen
- ✅ Sicherer Umgang mit internen Daten
- ✅ Skalierbar für viele Anwendungsfälle
Typische Anwendungsfälle
- Interne Wissensassistenten
- Kundenservice-Chatbots
- Compliance- und Rechtsauskünfte
- Incident- und Log-Analyse
- Technische Dokumentationssuche
- Entscheidungsunterstützung im Management
LLM, RAG oder Fine-Tuning – was ist sinnvoll?
Best Practice:
- Allgemeines Sprachverständnis → LLM
- Eigenes, dynamisches Wissen → RAG
- Spezieller Stil oder Verhalten → Fine-Tuning
- Produktive KI-Systeme → LLM + RAG
Fazit
Large Language Models sind leistungsfähig, aber ohne Kontext fehleranfällig.
Retrieval Augmented Generation ergänzt LLMs um aktuelles, überprüfbares Wissen.
👉 Die Kombination aus LLM und RAG ist heute der Standard für professionelle, vertrauenswürdige KI-Anwendungen.